Löffeltanz im Hippocampus
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Athens, February 21, 2005


Sehr geehrte Frau Henkel


Sie brauchen Informationen ueber den “Loeffeltanz” aus Kappadokien.

Dieser Tanz ist bekannt geworden in der stilisierten Form, in der das Ensemble Dora Stratou ihn in den 1970ern auf der Buehne praesentierte (kursierte auch viel als Postkarte, und neuerlich auch als Briefmarke der griechischen Post). Die schriftlichen Berichte ethnologischer Art beginnen ebenfalls erst in den 70er Jahren (zusammengestellt bei Alkis Raftis, Engyklopedia tou ellinikou chorou, 1995, ISBN 960-7204-11-5, Stichwort: “chouliere” – ich denke, das Buch werden Sie bei MELTEMI haben. Dort sind auch Musikaufnahmen verzeichnet).

Mir scheint, dass die Praesentation von Dora Stratou ihrerseits von der Art der tuerkischen Folkloreensembles beeinflusst ist, die ja solche Taenze ebenso in ihr Repertoire haben. Jedenfalls, der Tanz selbst ist von den Schritten her ein “Iso”, was ein “basic” des kleinasiatischen Tanzrepertoires ist, und die rhythmische Untermalung mit den Loeffeln entspricht mehr einer festlich-lustigen, geloesten Atmosphaere, wie sie bei einem Fest im familiaeren Kreis aufkommt, keinesfalls aber in einer offiziellen Situation an einem oeffentlichen Platz. Auch handelt es sich hierbei um Taenze des intimen, geschlossenen Raumes, im Gegensatz zu den Reigentaenzen in Griechenland, auf den ganzen Balkan und auch im Pontos-Gebiet. Frueher waere bei dieser Art von Tanzen als Tanzpartner nur eine Person vom gleichen Geschlecht denkbar, also Mann mit Mann und Frau mit Frau.

Die schriftlichen Nachrichten beziehen sich, wie bei Raftis ersichtlich, auf die kappadokischen Gemeinden Prokopi, Neapolis, Misti, Farasa, Sinasos, Caesarea, sowie Nigdi (Dora Stratou bezog, glaube ich, ihre Kostueme auf Silli), in denen christlich-orthodoxe Griechen lebten. Als konkrete Situationen werden einmal Karneval, ein andermal Familienfeste erwaehnt. Einen Namen im engeren Sinne hat der Tanz wohl nicht, wie auch die meisten Tanznamen Konventionen der Tanzlehrer darstellen. Die Leute selbst benannten das Lied oder die Melodie, die sie tanzen wollten, da aber hier die Lieder zumeist tuerkisch waren, werden solche Liedbezeichnungen aus nationalen, antituerkischen Ressentiments heraus nicht ueberliefert.

Eine lebensnahe Realisierung durch kappadokische Fluechtlinge der zweiten Generation ist in einem Video festgehalten, beigegeben dem juengst erschienenen Buch von Ioannis Prantsidis, O choros stin elliniki paradosi kai i didaskalia tou, Aiginio, ISBN 960-630-332-2.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen gedient zu haben, und viel Erfolg fuer Ihr Projekt. Sollten Sie Rueckfragen haben, gerne, aber bitte auf Englisch!!!, denn in unserem Sekretariat wird kein Deutsch verstanden,

Mit freundlichem Gruss,

Evangelia Antzaka, Volkskundlerin



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Bettina Henkel, Secession 2004