Löffeltanz im Hippocampus
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Aus der Enzyklopädie des griechischen Tanzes: Löffeltanz

(Übersetzung aus dem Griechischen: Marios Koptsas-Anastassiou) ***


KOUTALIA = LÖFFEL

Löffel aus Holz, die der Tänzer oder die Tänzerin paarweise in den Händen hält und im Rhythmus schlägt, während er oder sie tanzt. Siehe auch: Karsilamas und Chouleria (kappadokischer Dialektbegriff für Löffel).

[Valavanis, 1891, S. 93] Ikonio: Der wichtigste Tanz, der am besten den regionalen Charakter wiedergibt, ist derjenige, bei dem die Mutter des Bräutigams vorne tanzt, dahinter die Braut und die anderen Frauen, deren Männer auch bei dem Hochzeitsfest anwesend sind. Der Tanz wird mit hölzernen Löffeln aufgeführt, welche grazil in den Händen gehalten werden und im Takt der spielenden Musikinstrumente (Tef, Santur, Saz) geschlagen werden. Das war bei einem Fest des betreffenden Dorfes und der benachbarten christlichen Kleinstädte. Die Mädchen im Heiratsalter haben sich dort amüsiert und die regionalen Tänze getanzt. Am meisten tanzten sie einen eigenartigen Tanz, eine Art Karsilamas, bei dem sie grazil während des Tanzes ein Paar Holzlöffel schlugen.

[Amarantou, 1991, S. 97] Sinassos in Kappadokien: Die Tänzer haben die Löffel auf folgende Weise gehalten: Der eine Löffel lag mit der hohlen Seite in der Handfläche, während der Zeigefinger und der Daumen ihn unbewegt hielten. Der andere Löffel war verkehrt zwischen den zwei ersten und den letzten zwei Fingern, sodass die flachen Seiten der Löffel sich berührten. Die Mittelfinger bewegen den Löffel nach oben und nach unten, sodass er im Rhythmus den anderen Löffel schlägt. Es gab drei Arten von Löffeln mit unterschiedlichen Bezeichnungen: 1. Die "tachtadionas" aus einfachem Bretterholz, die oft Einsatz im Löffeltanz fanden. Sie waren gelb und an der inneren hohlen Seite mit bemalten Blumen geschmückt, während auf ihrem Griff geschriebene Verse oder Sprüche in türkischer Sprache waren. Diese Löffel wurden in Ikonium oder in Silli fabriziert. Die "simsirika" galten als bessere Löffel und wurden für feierliche Anlässe benützt. Sie waren hübscher und hatten den besseren Klang. Die Frau des Hauses bewahrte sie für die Hochzeit des Sohns oder der Tochter auf. 2. Andere hießen "galtasanika" oder "sideronas" (wahrscheinlich aus Metall). Es waren Löffel für den täglichen Gebrauch. Man brachte sie aus Istanbul. 3. Schließlich die "kokalina" (aus Knochen), die auch aus Istanbul kamen und im Sommer für die "choseria" gebraucht wurden.

[Farassopoulos, 1895, S. 35] Silata Ikoniou: Die eingeladenen Gäste amüsieren sich, indem sie vorwiegend osmanische Lieder singen und landeseigene und allgemein verbreitete Tänze tanzen, wie den Sirtos u. v. a. Aber der wichtigste Tanz, der den eigenen Charakter am besten zum Ausdruck bringt, ist derjenige, bei dem die Mutter des Bräutigams vortanzt, gefolgt von der Braut, den jungen Mädchen und den anderen Frauen der Verwandtschaft. Dieser Tanz wird von Holzlöffeln begleitet, welche besonders grazil und rhythmisch zum Takt der Musikinstrumente geschlagen werden. Außer diesem Tanz wird auch der gleiche Kreistanz wie in Megara getanzt.

[Baud-Bovy, 1935, S. 338] Kastellorizo Dodekanison: Text und Musik des Liedes Petros kai Pavlos to lege (Peter und Paul sagten es). Eine Frau singt dieses Lied am Vortag der Hochzeit, während die anderen die Kleider des Brautpaars "räuchern". Während sie singt, tanzt sie und schlägt dazu rhythmisch hölzerne Löffel. Wenn die Braut ihnen etwas zu trinken anbietet, singen auch die Männer dieses Lied und klatschen dazu mit den Händen.

[Efremidis, 1960, S. 121] Kioutachia in Kleinasien: Und plötzlich sieht man, wie die 14 oder 15 Jahre alten jungen Mädchen mit großer Geschicklichkeit die versteckten hölzernen Löffel aus ihren Gürteln rausnehmen. Es sind vier Stück, und sie haben einen kurzen Griff. Sie halten sie fest mit den Fingern, jeweils ein Paar Löffel in jeder Hand und fangen an, sie mit einem sehr angenehmen Klang im Takt der kleinen Trommel zu schlagen.

[Archigenis, 1980, S. 371] Smyrna: Beim Tsifteteli (Bauchtanz) hielt der Tänzer zwei Löffel mit den Fingern jeder Hand und schlug sie laut, während er die Arme hoch in der Luft hielt. - [Karagavriilidou, 1992, unveröffentlicht]

[Karagavriilidou, 1992, unveröffentlicht] Kioutachia: Der Tanz wird auf der ganzen Fußsohle getanzt (gilt für alle Tänze), die Hände rechts und links etwas höher als die Schultern. Die Umdrehungen sind langsam in vier Einheiten. Der Tanz wird in Paaren frei getanzt, Mann mit Mann oder Frau mit Frau.




CHOULIERE

Tanz mit Löffeln in Kappadokien. Siehe auch: Karsilamas, Koutalia.

- [Efpraxiadis, 1974, S. 195] Prokopi in Kappadokien: In der Zeit des Karnevals besuchten die Maskierten jedes Haus, in das sie hineinwollten, ohne Einladung. Sie machten Späße, erzählten pikante Witze und bekamen dafür Getränke. Dann zogen die Frauen und die Männer je zwei Paare hölzerne Löffel aus ihren Gürteln und tanzten nach dem Zeichen ihres Anführers Karsilamas und Tsifteteli zu den rhythmischen Schlägen des Tamburins.

[Margariti, 1987, S. 123] Farassa in Kappadokien: Der Löffeltanz wurde gegenüberstehend getanzt. Früher wurde er nur von Männern getanzt, denn es galt nicht als sittlich, wenn Frauen Löffel hielten und schlugen. Wir sehen, dass der Tanz fröhlich war und in manchen Gegenden sogar mit Sprüngen getanzt wurde, etwas, das damals den Frauen nicht erlaubt war. Manchmal wurden die Füße nicht bewegt, sondern nur der Oberkörper.

[Amarantou, 1991, S. 95] Sinassos in Kappadokien: Ein Männertanz mit Löffeln, der vorwiegend bei privaten Festen getanzt wurde und weniger bei religiösen Feiern, da er nicht sehr ernst und sittlich war. Die Frauen haben nur selten mit den Löffeln getanzt und nie öffentlich, weil er für sie als unsittlich galt und es ihnen nicht erlaubt war, sich so viel wie die Männer zu bewegen. Es war unmöglich, dass ein Mann mit einer Frau diesen Tanz tanzte. Als Paare tanzten immer Mann mit Mann oder Frau mit Frau. Sie hielten das eine Bein unbewegt, und das hintere gab den nötigen Schwung für Umdrehungen oder für kleine Schritte. Es gab keine vorbestimmte Anzahl von Schritten, um die Seite zu wechseln, aber gewöhnlich wurde nach drei Schritten gewechselt. Man hat ihn auch mit den Silia (Fingerzimbeln) getanzt, eigentlich eine Gewohnheit der Tänzerinnen aus Istanbul. Die Lieder waren immer in türkischer Sprache verfasst und passten zu dem Rhythmus des Tanzes Issos.

[Tirovola, 1992, S. 126] Kässarien in Kappadokien: Die meisten Tänze in Kässarien werden im Zweivierteltakt getanzt, so wie der besonders repräsentative Chouliere oder Löffeltanz. Früher wurde dieser Tanz nur von Männern getanzt, weil die sozialen Strukturen Frauen nicht erlaubten, zu tanzen und sich mit Klappern zu wiegen. Jedes Männerpaar tanzte kreativ am ausgesuchten Platz unabhängig von den Bewegungen der anderen Paare, aber immer im Zusammenhang mit den Bewegungen des Partners. Ihre Lust und Laune sowie ihre Ausdauer bestimmte die Länge des Tanzes. Das abwechselnde Schlagen der Löffel begleitete die Bewegungsmotive des Tanzes. Mehrmals im Laufe der tänzerischen Darbietung hielten die Tänzer ihre Beine still und wiegten ihre Oberkörper im andauernden rhythmischen Klang der Klappern. Heute wird dieser Tanz bei traditionellen Handlungen der Hochzeit von einem Paar Männer, Frauen oder auch Mann und Frau gemischt ausgeführt.

[Tyrovola, 1992, S. 134] Farassa in Kappadokien: Der Tanz Chouliere oder Löffeltanz im Zweivierteltakt wurde früher nur von Männern getanzt. Später, obwohl die sozialen Strukturen die Teilnahme der Frau bei diesem bestimmten Tanz erlaubten, blieb die einheitliche Zusammenstellung der Paare, in Männer- oder Frauenpaare, erhalten.




KARSILAMAS ODER GARTSILAMAS

Tänze in Kappadokien, bei denen die Tänzer einander gegenüberstehen. Siehe auch: Koutalia = Löffel.

- [Christopoulos, 1948, S. 130] Ikonio: Im weiteren Verlauf, nach den "amanedes" (lang gezogene orientalische Gesänge), hat jeder Mann den Karsilamas getanzt, allein oder mit seiner Gemahlin. Er tanzte und schlug zum Rhythmus des gespielten und gesungenen Liedes vier hölzerne Löffel, die er paarweise in der Handfläche zwischen den Fingern hielt. Dieser Tanz galt als antiker Tanz der Region, der von Männern und Frauen in Anatolien getanzt wurde. Die Türken haben diesen Tanz übernommen und modifizierten ihn dann zum Bauchtanz. Man muss dazu erwähnen, dass die Türken anfangs nicht tanzten, weil das Tanzen für einen Türken nobler Herkunft als unangemessen galt. Aus diesem Grund haben sie für ihre Hochzeitsfeste Zigeunerinnen zum Tanzen engagiert.




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Der aus dem Griechischen von Marios Koptsas-Anastassiou übersetzte Auszug zum Löffeltanz aus der Enzyklopädie des griechischen Tanzes (Encyclopedia of Greek Dance von Alkis Raftis, Athen 1995, Hg. Greek Dance Theater Dora Stratou) enthält Zitate verschiedener Publikationen unterschiedlicher Zeiten. Sie sind daher in unterschiedlichen Stilen verfasst, wie z. B. in der ehemaligen griechischen Amtssprache oder in türkisch durchsetzten Dialekten. Sie belegen eindrucksvoll die Diversität und Komplexität dieses Tanzes. In eckigen Klammern stehen die zitierten Autoren, die Jahres- und die Seitenzahl. Danach ist der Ort genannt, an dem der beschriebene Tanz vorgefunden wurde.



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Bettina Henkel, Secession 2004