Löffeltanz im Hippocampus
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Februar 2004

– Auf einer Restaurantwebseite befindet sich ein Link zum griechischen Volkstanzverein Meltemi (http://www.meltemi.or.at), der über verschiedene Tanzkurse informiert. Der künstlerische Leiter lädt mich zum Trainingsabend der Gruppe ein.

– Griechisches Tanztraining am 11.2. im eigenartigen Ambiente eines Gymnastikraums. Das Mit- und Nachtanzen gelingt sehr leicht, die TänzerInnen und der künstlerische Leiter erkennen eine Begabung. Körperintuitiver Lernprozess mit hoher Motivation.

– 18.2. Zweites Tanztraining. Nach ersten Erklärungen tanze ich im zweiten Teil des Abends einfach mit: Learning by Doing = tanzend lernen. Auch die Geschichten, die der künstlerische Leiter zu den Tänzen erzählt, sind sehr interessant.

– Suche griechischen Sprachunterricht in Wien, Schnupperstunde am 24.2. bei dem Musiker und Sprachlehrer Marios Koptsas-Anastassiou.

– Präsenztag der E-Learning-Fortbildung Train the Trainer, Modul Möglichkeiten des Telelernens an der FH Joanneum Graz am 26.2.



März 2004

– Es folgen fünf Wochen Online-Phase von Train the Trainer. Mühsamer einsamer Lernprozess mit wenig Motivation, großen Selbstzweifeln und eigendynamischen Überforderungsszenarien.

– 12.3. E-Trainerin unterstützt mich telefonisch, da in meiner E-Learning-Arbeitsgruppe kaum jemand noch aktiv ist.

– Telefonkonferenz der Fortbildung Train the Trainer am 26.3.

– Die ersten zwei Stunden Griechischunterricht sind einfach, dann Selbstzweifel an Lern- und Abstraktionsfähigkeit, längst vergessene legasthenische Blockaden erinnern mich an meine Schulzeit.

– Sprachunterricht am 2., 9., 16., 23., 30.3.

– Tanztraining am 10., 17., 24. und 31.3.

– Der Vergleich der drei Lernvorhaben beschäftigt mich:

1. Intuitiv-körperliches Lernen (einfaches Erkennen und Umsetzen der Tanzmuster).

2. Auditiver Kanal beim Sprachlernen (Hören, Nachsprechen) kompensiert – grammatikalische Anforderung des Griechischen gering.

3. Stark strukturiertes E-Lernen mit viel Recherchearbeit vor dem Computer und Erarbeiten von faktischem Wissen.

8.3. E-Mail
... Im Moment hole ich mir ja auch andere Anregungen "außerhalb" der Kunst und erweitere ich ja meinen Radius, indem ich Griechisch lerne und griechisch tanze. Das tut mir gut und gibt neue Impulse ...

31.3. E-Mail
... Habe heute wieder getanzt, diesmal sehr komplizierte Tänze, wo ich echt passen musste ...



April 2004

– Tanztraining am 7., 14. und 28.4.

– Sprachunterricht am 6., 20., 27.4., finde Internetseite mit griechischem Sprachkurs, der mich spielerisch zum Lernen und Üben motiviert – also doch E-Learning?

– Weiterhin beschäftigen mich die verschiedenen Lernqualitäten und Lernsituationen, weshalb ich Fotos in meinen Lern- und Lehrsituationen mache.

– Mit Studierenden probiere ich aus, mit simplen Mitteln eine E-Learning-Struktur zu erstellen.

3.4. E-Mail
Du fragst, wie es meinem Griechisch geht - uff, uff! Viel Arbeit und ganz schön kompliziert, dieses Sprachsystem zu erlernen. Versuche dranzubleiben ... Das Tanzen ist da viel, viel einfacher. Ich wünsche manchmal, dass mein Talent und meine Energie als Künstlerin genauso eindeutig und klar wäre wie im Tanz (zumindest im Griechischen, wo ich fast als Naturbegabung betrachtet werde.



Mai 2004

– Tanztraining am 5. und 19.5.

– Erste Auftritte mit der griechischen Tanzgruppe Meltemi am 8. und 15.5. in Wien.

– Sprachunterricht am 4. und 19.5. – lerne inzwischen fast begeistert Vokabeln und Grammatik.

– Mache weiter Fotos in Lehr- und Lernsituationen. Eigenartig, wenn auf den Fotos die Sprache und somit der Inhalt des Lernens fehlt, wobei bei manchen die Konzentration spürbar wird. Was übrig bleibt, ist ein (de-)hierarchisiertes, aber auch konzentriertes menschliches Raumgerüst.

7.5. E-Mail
... Morgen habe ich meinen ersten Auftrit in griechischer Tracht griechisch Tanzen - bin schon gespannt. Das Wochenende darauf wieder ein Auftritt ... Wirklich sicher bin ich noch nicht ...

8.5. E-Mail
... Habe heute meinen ersten Live-Auftritt als griechische Tänzerin in Tracht und mit allem Drum und Dran. Lache mich ja eigentlich ziemlich schlapp darüber - die Vorstellung wird aber in ein paar Stunden Realität ...

16.5. E-Mail
... Habe auch sehr lachen müssen über dein Mail, denn ich als "blinde Griechin" -> Tippfehler, du meintest wohl blond. Aber die Haare sieht man eh nicht, weil die unter dem Kopftuch verschwinden. War ziemlich kurios das alles! ...



Juni 2004

– Abschließende Train the Trainer -Telefonkonferenz am 14.7., Ende der Fortbildung.

– Tanztraining am 9., 16. und 30.6.

– Sprachunterricht am 15.6., letzte Kursstunde.

– Weiterhin Fotos in Lehr- und Lernsituationen.

10.6. E-Mail
... Oft habe ich das Gefühl unter seiner (Tanzlehrer) besonderen Kontrolle zu stehen und speziell "gefordert/gefördert" zu werden. Ich vergleiche das dann immer mit der Kunst und stelle mir vor, ich wäre in der Kunst so gefördert worden ...



Juli 2004

– Tanztraining am 9., 16. und 30.7.

– Nehme privaten Sprachunterricht am 13., 22., 28. und 30.7. – was mich hoch motiviert und mir viel Input bringt. Ich lerne überall, in der U-Bahn, am Flughafen, im Bett vor dem Schlafengehen.

– 31.7. Eine Freundin und Kollegin weist mich auf ein vierteiliges Feature über Gedächtnisfunktionen hin (Radio Österreich 1, Sendung Radiokolleg – Vergessene Welten vom 26.–29.7.), die ich mir bestelle.

22.7. E-Mail
... Heute sehr intensiv Griechisch gehabt, die Privatstunde zieht jetzt, bin intensiv drin und werde gelobt ... (Balsam für mein schlechtes Fremdsprachenselbstbewusstsein) - machen voll die heavy Grammatik mit Aorist und all dem Wahnsinnskram - wie sich das ein Mensch je merken kann? ...



August 2004

– Entschluss, mich einem neuen Lernprozess auszusetzen. Exemplarisch denke ich über die Dokumentation beim Erlernen des Löffeltanzes nach, bei dem in einem mir nicht nachvollziehbaren Rhythmus je zwei Löffel in einer Hand geschlagen werden, wobei die Füße etwas anderes tanzen. Die Koordination dieser unterschiedlichen Systeme ist mir, der "Begabten", nicht möglich.

– Privatstunde Löffeltanz am 14.8. – Einzelstunden sehr effektiv, volle Konzentration auf den individuellen Kenntnisstand.

– 15.8. Die Melodie des Löffeltanzes verfolgt mich nachts.

18.8. Erste Übungseinheit, keine Ahnung, wie ich das erlernen soll. Versuch, den Rhythmus zu analysieren und in ein mir nachvollziehbares System umzusetzen.

19.8. Üben, man lacht über meine eigenartigen Versuche. Ich komme mir vor wie ein unmusikalischer Mensch. Wie hatte ich als Kind Klavier und Gitarre lernen können? Das musikalische System aus dieser Zeit scheint untauglich zu sein.

20.8. Debattiere mit Wolfgang über den Rhythmus, er versucht ihn mir zu erklären und übt mit mir (was Erinnerungen an meine Kinderschulzeit weckt).

22.8. Die Betonung des Rhythmus entgleitet mir auf die letzte Note im Takt. Sobald ich es mit der Musik versuche, geht gar nichts mehr – verblüffend. Hände schmerzen, ich habe das Gefühl, eine Sehnenscheidenentzündung zu bekommen. Pause.

26.8. Finde manchmal den Rhythmus, verliere ihn aber wieder. Kurzes Aufblitzen des richtigen Rhythmus.

27.8. Ein Schema im Kopf bildet sich aus. Trommeln auf den Tisch hilft. Purer Rhythmus ohne entgleitende Löffel. Wolfgang hilft. Zwischendurch trommle ich immer wieder.

28.8. Bekomme Sicherheit, nachdem sich ein System im Kopf etabliert hat. Mache Fortschritte. Fußübung, Versuch der Koordination von Füßen und Händen.

29.8. Fußübung, die ein Kinderspiel ist, Versuch der Koordination von Füßen und Händen. Vorbeifahrende Menschen halten an, schauen und hören mir zu, applaudieren! Sie kommen am nächsten Tag wieder vorbei und wollen mich üben sehen.

30.8. Fußübung, Versuch der Koordination von Füßen und Händen. Die Sache fängt an Spaß zu machen.

3.8. E-Mail
... Nach wie vor lerne ich eifrig Griechisch, es macht mir irrsinnig Spaß! Heute hatten wir einen Englisch-Seminartag und ... merkte, wie sehr mich Sprache und Worte, Etymologien interessieren und das Lernverhalten von Griechisch strukturell auf Englisch abfärbt. Ich muss zwar ganz schön nachdenken, aber ich kann schon kleine griechische Sätze bilden. Ob ich kommunizieren kann, ist allerdings fraglich, weil die Griechen wahnsinnig schnell reden und ich sicher den Sinnzusammenhang nicht auf die Schnelle checke, geschweige so schnell reagieren kann ...



September 2004

1.9. Versuch der Koordination von Füßen und Händen auf Musik ansatzweise.

2.9. Freudloses Routineüben.

4.9. Konzentriertes Üben mit Musik, Ziel, das Musikstück ohne Fehler durchzuschlagen, was mir nicht gelingt.

5.9. Konzentriertes Üben ohne Musik, um Tempo zu trainieren. Koordination von Füßen und Händen.

6.9. Üben ohne Musik, Korrektur der Handgelenke und Schultern. Übe Schritt mit Klappern. Drehungen versucht. Komme immer wieder raus.

7.9. Weiterhin ohne Musik, Korrektur der Handgelenke, pures Üben. Mit Füßen und mit Drehungen.

8.9. Ohne Musik, Versuch von Drehungen im Rhythmus.

9.9. Wieder mit Musik geübt, Versuch, mit der Musik im Rhythmus zu schlagen. Koordination Füße – Hände – Drehungen. Die Anfänge sind ganz gut, dann komme ich raus, aber das Tempo sitzt schon halbwegs.

10.9. Fingerkorrektur, Zeigefinger zu verkrampft. Mehrere Durchgänge hintereinander auf Musik. Ich beginne zu tanzen!

11.9. Handkorrektur, Fingerkorrektur, insbesondere des Ringfingers. Auf griechischem Dorffest bis spät in die Nacht getanzt.

12.9. Übungsschema: Üben auf Musik ohne Schritt, mit Schritt, mit Schritt und Drehung. Die Drehungen machen am meisten Spaß.

13.9. Kurzes Übungsschema, je einen Durchgang nur Hände, Füße und Hände, Füße – Hände – Drehungen.

14.9. Mehrere Durchgänge, Versuch, genau im Takt zu bleiben, nicht schneller, nicht langsamer, nicht verhudeln.

15.9. Mehrere Durchgänge, Kondition üben und exakt im Takt bleiben.

16.9. Mehrere Durchgänge, Kondition üben, Drehungen rechts und links im Wechsel genau passend zur Musik.

17.9. Mehrere Durchgänge, Kondition üben, Drehungen rechts und links im Wechsel. Ich glaube, ich bin jetzt schon viel weitergekommen.

18.9. Genaue Drehaufteilung zur Musik studiert, widme mich den Details.

19.9. Mehrere Durchgänge, Kondition üben, Drehungen rechts und links im Wechsel exakt auf Musik abgestimmt. Ich kenne die Musik nun ziemlich gut und höre genau meine Fehler.

– 21.9. Musik über Raumlautsprecher, anderes verwirrendes Tanzgefühl, der Mensch ist doch ein Gewohnheitstier.

– 24.9. Musik über Raumlautsprecher und mit Kopfhörer, anderes Tanzgefühl.

– 25.9. Kurzfristiger Auftritt mit Meltemi (Ersatz für eine erkrankte Tänzerin).

– 26.9. Beginn einer intensiven Recherche im Internet und in Universitätsbibliothekskatalogen unter Stichworten wie griechischer Tanz, Choros Koutalia, Löffeltanz, Spoon Dance, griechische Trachten, griechische Musik, Kleinasien, Farassa, Gedächnis, Lernen.

– 27.9. Musik über Raumlautsprecher, anderes Tanzgefühl, Drehung auf vier Takten statt auf acht, nachdem ich das Meltemi-Auftrittstape studiert habe.

– Erstes Tanztraining am 29.9.



Oktober 2004

– 1.10. Seminarauftakt Makedonische Tänze mit Theodossis Diskos, den ich nach dem Löffeltanz befrage, worauf er mir erklärt, das sei ein Zeremonientanz und nicht ein "Spaßtanz". Er kenne einen aus Konya nach der gleichnamigen Melodie Konyali. Probieren den Tanz mit Metalllöffeln, was schier unmöglich ist.

– 2.10. Seminar mit vielen Details, der Tanzlehrer erklärt mir in der Mittagspause die griechischen Trachten und viele Details zum Volkstanz. An den Trachten lassen sich kulturgeschichtliche Phänomene – wie die Mobilitätszunahme und Industrialisierung – ablesen, aber auch der Tanzstil ist unmittelbar davon betroffen (der Löffeltanz wurde mit kleinen, halb offenen Pantöffelchen getanzt, weshalb die Schritte ganz klein und niedrig sind). Eine Mittänzerin leiht mir Bücher über Trachten.

3.10. Seminar, in der Mittagspause erklärt er mir verschiedene Schrittvariationen des Löffeltanzes und deren Choreografien bzw. Möglichkeiten, ihn zu tanzen. Auch zur Musik und zum Takt gibt er Informationen. Insgesamt wird mir klar, dass es zu den einzelnen Tänzen eine enorme Bandbreite lokaler Differenzierungen gibt, die jeweils mit der Geschichte zusammenhängen. Ich werde eingeladen, im Sommer nach Makedonien an einem Intensivseminar teilzunehmen.

– 6.10. Recherche in verschiedenen Universitäts- und Institutsbibliotheken. Besuch des Byzantinistik- und Neogräzistik-Instituts in Wien, was sehr spannend ist. Der Bibliothekar weist mich auf einen Aufsatz über den Tanz in Antike und Byzanz hin. Dort finden sich Angaben und Abbildungen zu Tänzen mit Rhythmusinstrumenten wie Löffeln, Zimbeln, Seistrum etc. – ich gehe dem nach.

– 8.10. Tanztraining, in der Pause Gespräch über den Löffeltanz, dessen Aufführung und die dazugehörigen Trachten.

– 12.10. Telefonat mit Klaus Kramer vom deutschen Tanzverband. Verweis auf Alkis Raftis, Präsident des Dora-Stratou-Theaters in Athen, und Rainer Sobotka, emeritierter Professor des Sportzentrums der Universität Wien.

– 13.10. Gespräch mit Maria Stassinopoulou, Professorin der Neogräzistik, Universität Wien, die mir Hinweise auf kleinasiatische Studienzentren gibt. Die Frage, inwieweit der Bevölkerungsaustausch von in der Türkei lebenden Griechen und in Griechenland lebenden Türken gemäß dem Vertrag von Lausanne 1923 den Choros Koutalia beeinflusst und was diese geschichtliche Dimension der vergangenen Jahrhunderte und der "kleinasiatischen Tragödie" bedeutet, beschäftigt mich sehr. Es scheint mir wichtig, das zu untersuchen.

– 13. und 20.10. Kleinasien-Block im Tanztraining (u. a. Löffeltanz), eine Mittänzerin bringt mir die Enzyklopädie des griechischen Tanzes mit, welche sie, da auf Griechisch, kurz den Löffeltanz betreffend erläutert, außerdem hat sie ein Foto einer Aufführung des Löffeltanzes im Dora-Stratou-Theater dabei.

– 15.10. Mail an 13 Institutionen zum Thema meines Projekts: Löffeltanz im Hippocampus.

– 16.10. Antwort des Psychiaters und Philosophen Manfred Spitzer, Autor von Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Was geht neurologisch beim Tanzen vor sich? Lese sein Buch, recherchierte davor im Internet. Besuch bei einer Meltemi-Tänzerin, die mir ihre umfangreiche Trachtensammlung zeigt, ihr Vater bringt mir eine DVD seiner Löffeltanzaufnahme eines Meltemi-Auftritts mit.

– 18.10. Antworten vom Musiker Marios Koptsas-Anastassiou, Anne Leonidou, Tanzhistorikerin, und Charlie Kyriacou, Operation-Manager des Folk Dance Festival (FDF) Greek Dance Scholarship, der eine umfangreiche und informative Homepage zum griechischen Tanz erstellt hat (http://www.filetron.com/grkmanual/index.html). Sein Mail gibt detailliertere Antworten – und wirft neue Fragen in mir auf (vergleichende Tanzstudien Löffeltanz griechisch, türkisch, kurdisch, persisch?).

– Mail an Alkis Raftis, Dora Stratou Athen, und Rainer Sobotka, Universität Wien.

– 19.10 Mail von Raftis: "Dear Bettina Henkel, I am delighted to know that finally someone has decided to work on this subject. Where have you been all these years? Of course you can call me. My German is poor but I can manage. I will be more than happy to collaborate in this project. Cordially Alkis Raftis." Telefonat mit ihm, lädt mich nach Athen ein, lobt mein Gespür für dieses Thema, ermuntert mich, damit zu dissertieren.

– Mail von Rainer Sobotka, der an einem Gedankenaustausch interessiert ist. Inspirierendes Gespräch über Körpergedächtnis und Oral History mit Felicitas Thun, Kunsthistorikerin, Akademie der bildenden Künste Wien.

Erster Kurstag, Griechisch für leicht Fortgeschrittene . Ich erinnere mich an meine grammatikalische Blockade und mache leider immer noch Fehler wie im Sommer, verstehe aber, worum es bei den Fehlern geht.

– 20.10. offizielle Einladung zum 18th World Congress on Dance Research Argos, 3.–7.11., The Preservation of Diversity.

– 21.10. Längere Telefonate mit Jutta Pauschenwein über E-Learning-Strukturen und Rainer Sobotka über Volkstanz versus Folklore sowie die griechische Rhythmik, die wohl auch auf die Antike zurückzuführen sei.

– 23.10. Recherche zur Kulturtechnik Tanz und zur Musik des Löffeltanzes mit entsprechenden Anfragen. Die in der Literatur angegebenen Labels scheinen inexistent.

– 25.10. Volkstanz in Griechenland als Kulturtechnik scheint mir ganz eindeutig und sehr lebendig (wenn auch am Verschwinden), doch ich finde weder im Internet noch auf meine Anfragen bei Kulturwissenschaftlern einen Pfad dafür. Im Gastkommentar des Programmhefts November vom Tanzquartier finde ich von Claudia Jeschke dennoch einen Verweis auf die Tanzforschung, die in den Kulturwissenschaften ihren diskursiven Ort gefunden hat. Was ist mit Volkstanz, Ethnografie und Musikologie in Bezug auf Tanzforschung und Kulturwissenschaften?

– 26.10. Die Übersetzung aus dem Griechischen von Marios Koptsas-Anastassiou zum Thema Löffeltanz aus der Enzyklopädie des griechischen Tanzes ist fast fertig und zeigt die Komplexität des Themas. Wir gehen die Übersetzung durch, und ich denke wieder über die Transferleistung von Sprachen (und Tanzsprachen) nach.

– 27.10. Tanztraining, weiterhin Kleinasien-Block. Selbst auferlegter vorläufiger Abschluss der Recherchearbeit, um Klarheit zu gewinnen.

11.10. E-Mail
... Der Löffeltanz, vielmehr mein Projekt hat bald mehr mit Obsession zu tun als mit dem Lernen - ne, Spaß beiseite ... Aber ich sitze echt den ganzen Tag vor meinem Computer, schreibe, denke, recherchiere, telefoniere ...

13.10. E-Mail
... Jede Information sauge ich wie ein Schwamm auf, sobald ich "reale" Hinweise finde, die die Existenz dieses Tanzes beweisen, komme ich mir wie eine Forscherin vor, die wichtige Entdeckungen macht (sonst ist das so phantasmatisch). Das muss wohl die Motivation am Lernen sein, wenn die Synapsen bei neuen Kontakten funken und so eine Art Wissensadrenalin ausgeschüttet wird ...

14.10. E-Mail
... Was mach ich mit den Löffeln? ... Letztendlich werden die Löffel wie Kastagnetten in einem bestimmten Rhythmus geschlagen beim Tanzen - das ist alles ...

21.10. E-Mail
... Ansonsten habe ich nettes Feedback aus Athen ... Da so gut wie nichts zum Löffeltanz erforscht ist, solle ich doch darüber promovieren. Das hat mich natürlich völlig euphorisch gestimmt ...




Bettina Henkel, Secession 2004